Fragen

1. Was ist eine Studentenverbindung?

Lose studentische Gemeinschaften („Bursen“) gab es bereits mit Gründung der ersten europäischen Universitäten im 11. Jahrhundert. Die „modernen“ Studentenverbindungen, auch „Korporationen“ genannt, entstanden im Zeitalter der Aufklärung gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch eigene satzungsgemäße und strukturelle Festlegungen der einzelnen Gemeinschaften.
Eine Korporation ist ein traditioneller, humanistischer Freundschaftsbund von Studenten und ehemaligen Studenten einer Hochschule mit dem Ziel eines gemeinschaftlichen Lebens und der Persönlichkeitsbildung.
Wir sprechen von einer Korporation, wenn mindestens folgende Kriterien erfüllt sind:
1. Lebensbundprinzip (Mitgliedschaft auch nach Abschluß des Studiums);
2. Conventsprinzip (Basisdemokratie bei Festlegung von Regeln, Maßnahmen und Organisationsbedarf);
3. Anerkennung und Pflege von Tradition und studentischem Brauchtum;
4. Verfolgung von Idealen und Grundsätzen wie z.B. Freiheit, Moral, Ethik, Toleranz

2. Ist „Verbindung“ und „Burschenschaft“ eigentlich dasselbe?

Nein, eine „Burschenschaft“ ist zwar eine Korporation aber nur eine bestimmte Art, und nicht einmal die zahlenmäßig größte oder älteste. Neben Burschenschaften gibt es „Corps“, „Landsmannschaften“, „Turnerschaften“, „Sängerschaften“ und konfessionelle Verbindungen (um nur einige zu nennen). Seit einigen Jahrzehnten gibt es sogar Damenverbindungen für weibliche Studierende. Der richtige Oberbegriff ist also „Verbindung“ oder „Korporation“. Es gibt neben den akademischen Korporationen (Studentenverbindungen) auch pennale Korporationen (Schülerverbindungen).

Das Missverständnis kommt vielleicht daher, dass bei praktisch allen Verbindungen die endgültig aufgenommenen Mitglieder (und auch nur diese) „Burschen“ genannt werden.

Ein Mitglied einer Burschenschaft heißt hingegen „Burschenschafter“, das einer Landsmannschaft „Landsmannschafter“ und ein Mitglied einer Turnerschaft „Turnerschafter“. (Falsch ist übrigens, wie ein Blick in ein Wörterbuch bestätigt, die Endung „-ler“.) Der Oberbegriff für die Mitglieder der unterschiedlichen Verbindungen ist „Korporierter“ oder „Verbindungsstudent“ und nicht etwa „Bursch“.

3. Was bringt mir eine Verbindung?

Für den Erfolg im Berufsleben ist die fachliche Ausbildung natürlich sehr wesentlich. Bei einer angestrebte Führungsposition wird jedoch eine weitere Qualifikation in den Vordergrund treten: eine gute „performance“ durch gekonntes Auftreten, geschulte Umgangsformen, eloquente Ansprache, organisatorische Fähigkeiten, gesellschaftliche Kenntnisse und eine gewisse Portion Allgemeinwissen.
Für die fachliche Ausbildung im Studium ist jeder Kommilitone selbst verantwortlich. In einer Gemeinschaft wie der unseren gibt es jedoch viele Möglichkeiten zur Unterstützung durch vorhandene Studienliteratur oder persönliche Beratung und Lernhilfe.

Die vorher genannte Zusatzqualifikation erwirbt man durch das Leben in unserer Gemeinschaft, ganz ohne zusätzlichen Zeitaufwand, nur durch Mitmachen. Wir organisieren und verwalten unsere Gemeinschaft und unser Haus nach Anleitung der älteren Kommilitonen unter uns nämlich in eigener Regie. Dazu gehören natürlich auch diverse Feste und Veranstaltungen sowie Sportangebote zur Gestaltung der Erholungspausen im Studienalltag …

Last but not least entstehen in einer Verbindung intensive Freundschaftsverhältnisse und Kameradschaften, die durch gemeinsame Veranstaltungen, Feste und Treffen das ganze Leben lang unsere Mitglieder begleiten.

4. Behindert mich die Verbindung nicht im Studium?

So wird es in der Öffentlichkeit gern kolportiert – und möglicherweise beschleicht auch einige Verbindungsstudenten zu irgendeinem Zeitpunkt dieser Eindruck…

Im Ergebnis aber studieren Verbindungsstudenten im Schnitt schneller als der durchschnittliche Kommilitone und erzielen dabei auch noch überdurchschnittlich gute Resultate bis hin zu Spitzenergebnissen.

Die Gründe dafür liegen in der schon vorher genannten Möglichkeit zum Lernen in der Gemeinschaft und dem Angebot, auf vorhandene Literatur und die Erfahrungen älterer Semester zurückgreifen zu können.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Du Dein Studium abbrechen musst, reduziert sich, wenn Du einer Verbindung angehörst. Letztlich beobachten und hinterfragen wir die Studienfortschritte unserer Mitglieder, weil auch unser oberstes Interesse dem erfolgreichen Studienabschluß jedes Einzelnen gilt.

5. Sind Studentenverbindungen rassistisch und ausländerfeindlich?

Bei uns: prinzipiell nein! – Für unsere Landsmannschaft ist die Aufnahme von ausländischen Studenten, die gemeinsam mit uns nach unseren Bestimmungen leben möchten, der Normalfall. Die ausländischen Mitglieder deutscher Studentenverbindungen gehören häufig zu den glühendsten Befürwortern des Verbindungswesens!

Es gibt in Deutschland zwar einige Korporationen (meistens Burschenschaften), die nach ihren Statuten keine Ausländer aufnehmen, aber sollte daraus nicht auf eine Ausländerfeindlichkeit geschlossen werden, sondern nur auf eine äußerst konsequente Anwendung ihrer traditionellen Satzungsbestimmungen.

6. Stehen Studentenverbindungen politisch generell rechts?

Das war einmal, ist jedoch leider immer noch überwiegende öffentliche Meinung.

Der Rechtsruck der Verbindungen war eine Erscheinung des Kaiserreiches und setzte sich in der Weimarer Republik fort. Das ist heute anders.

Seit Bestehen des Deutschen Bundestages gab es unter den Abgeordneten ca. 400 (namentlich bekannte) Korporationsmitglieder der unterschiedlichsten Couleur. Und diese standen und stehen sicherlich nicht alle am rechten Rand der Politik, sondern sind in allen Fraktionen und Parteien vertreten.

Auch und gerade in schlagenden Korporationen – namentlich den akademischen Landsmannschaften und Turnerschaften des Coburger Convents sowie den Corps – herrscht generell ein Klima der Geistesfreiheit und Toleranz, das Außenstehende immer wieder erstaunt, sei es gegenüber anderen politischen Einstellungen, Ausländern (auch Farbigen!), anderen Religionen und sonstigen Minderheiten unserer Gesellschaft.

Und wenn es auch unter den vielen Korporationen einige seltene „schwarze Schafe“ gibt, die durch rechtsextreme Parolen und Aktionen auffallen, können wir beruhigt darauf vertrauen, dass sie vom Verfassungsschutz genau beobachtet werden.

7. Sind Studentenverbindungen frauenfeindlich?

Richtig ist: der überwiegende Teil der deutschen Studentenverbindungen nimmt keine Frauen auf.

Mit Frauenfeindlichkeit hat das jedoch nichts zu tun. Schon vor Jahrzehnten gab es Versuche, die Verbindungen für Frauen zu öffnen. In einigen nicht farbentragenden Korporationen ist das gelungen, bei vielen gescheitert.

Daraus den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit abzuleiten, ist wohl albern. Mit dem gleichen Argument könnte man unterstellen, dass Taubenzüchtervereine briefmarkensammlerfeindlich sind. – Wenn es am Ort keinen Briefmarkensammlerverein gibt, sucht man ein paar Gleichgesinnte und gründet einen, wenn einem der Sinn danach steht.

Vielen Studentinnen stand der Sinn danach, und so gibt es allein in deutschen Hochschul- und Universitätsstädten ca. 140 reine Damenverbindungen. Eine übrigens auch in Braunschweig, und wir pflegen ein außerordentlich gutes und freundschaftliches Miteinander.

8. Bilden Studentenverbindungen Karriereseilschaften?

Der Vorwurf der Seilschafterei ist nicht haltbar. Verbindungsstudenten sind häufiger erfolgreich im Beruf, aber nicht, weil sie auf ihrem Karriereweg die sicher vorhandenen vielen Kontakte ausnutzen. Man sollte aber nicht glauben, dass deshalb auch „Vollpfosten“ Aussicht hätten, durch Protektion in gut bezahlte Stellungen gehievt zu werden. Der Mechanismus ist ein anderer:

Wer in einer Verbindung ist, bekommt dort das Rüstzeug mit auf den Weg, das notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Das haben wir unter dem vorgenannten Punkt 3 „Was bringt mir eine Verbindung“ erläutert. Deshalb und wegen der in der Gemeinschaft angeeigneten Teamfähigkeit muss sich ein Korporationsstudent deutlich weniger Gedanken um Assessmentcenter und ähnliche Einstellungsverfahren machen als jemand, der im Studium nur hinter den Büchern gehockt hat.

9. Sind Verbindungen Saufclubs?

Wir dürfen bestätigen, dass das Biertrinken bei uns einen gewissen Stellenwert hat. Allerdings einen geringeren, als ein Außenstehender sich das vielleicht vorstellt. Dazu sei erwähnt, dass „harte Alkoholika“ nicht zu unserem Comment gehören.

Abgesehen gibt es in den weitaus meisten Verbindungen – auch bei uns – Mitglieder, die, aus welchen Gründen auch immer, überhaupt keinen Alkohol trinken. Niemand wird zum Biertrinken gezwungen, wenn er es ablehnt.

Bei den Trinkzeremonien, die es bei uns gibt, muss man nicht unbedingt Bier im Glas haben; Sinn der Sache ist schließlich nicht die kollektive Alkoholisierung.
Im Übrigen wird auch von nichtkorporierten Studenten und in anderen Vereinen und Clubs Alkohol konsumiert, häufig auch mehr als dem Zecher zuträglich ist.

10. Wie finde ich die zu mir passende Verbindung?

Korporationen sind Freundschaftsbünde, in denen eine lebenslange Kameradschaft oder sogar Freundschaft das Ziel ist. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Dir als Interessent die Mitglieder sympathisch sind und dass ihre Ausrichtung zu Deinen Interessen passt.

Wenn Du keine persönlichen Präferenzen durch Familie oder Freunde hast, lass Dich ganz unverbindlich zu den Veranstaltungen einladen und prüfe, ob es Dir gefällt. Wir laden Dich dazu herzlich ein!